Herz und Blutdruck

Am 29. September ist Welt-Herz-Tag. Der Aktionstag geht auf eine Initiative der World Heart Federation in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation zurück und findet seit 2011 jedes Jahr an diesem festen Datum statt. Ziel ist es, über Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufzuklären und zu zeigen, was jeder Einzelne zur Vorbeugung beitragen kann.

Der Anlass ist ernst: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Im Jahr 2022 gingen schätzungsweise rund 19,8 Millionen Todesfälle auf sie zurück, das entspricht etwa einem Drittel aller Sterbefälle. Ein großer Teil dieser Erkrankungen gilt jedoch als vermeidbar, wenn beeinflussbare Risikofaktoren rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Zu den wichtigsten dieser Faktoren zählt ein erhöhter Blutdruck. Er verursacht meist lange Zeit keine Beschwerden und bleibt deshalb oft über Jahre unentdeckt. Ein regelmäßiger Blutdruck-Check kann helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Ihre Gesundheit zu schützen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Werte als normal gelten, wie Sie Ihren Blutdruck zuverlässig messen und wie wir Sie in der Apotheke dabei unterstützen.

Was die Blutdruckwerte bedeuten

Der Blutdruck beschreibt den Druck, mit dem das Blut gegen die Wände der Arterien drückt. Er wird in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben und besteht immer aus zwei Werten. Der obere, systolische Wert entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt. Der untere, diastolische Wert zeigt den Druck in der Entspannungsphase des Herzens.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie hat ihre Leitlinie im Jahr 2024 überarbeitet und unterscheidet seitdem drei Bereiche. Die folgenden Werte beziehen sich auf Messungen in der Arztpraxis:

EinstufungSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)
Nicht erhöhtunter 120unter 70
Erhöht120 bis 13970 bis 89
Bluthochdruckab 140ab 90

Neu ist die Kategorie „erhöhter Blutdruck“. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass der Blutdruck meist schleichend ansteigt. Die Grenze für Bluthochdruck selbst hat sich nicht verändert. Wer im erhöhten Bereich liegt, profitiert vor allem von einem herzgesunden Lebensstil; ob eine weitere Behandlung sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Herz-Kreislauf-Risiko ab und wird ärztlich entschieden.

Für Messungen zu Hause gilt eine etwas niedrigere Grenze: Hier spricht man bei Werten ab 135/85 mmHg von Bluthochdruck. Der Grund liegt darin, dass viele Menschen in der gewohnten Umgebung entspannter sind als in der Praxis.

Ein stiller Risikofaktor für Herz und Gefäße

Bluthochdruck ist weit verbreitet: Fast jeder dritte Mensch in Deutschland hat Werte über der Grenze von 140/90 mmHg. Viele Betroffene wissen jedoch nichts davon, denn ein zu hoher Blutdruck tut nicht weh. Häufig wird er erst zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt.

Gefährlich ist vor allem die dauerhafte Belastung. Muss das Herz ständig gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten, kann sich die Wand der linken Herzkammer verdicken. Auf lange Sicht kann daraus eine Herzschwäche entstehen. Zugleich werden die Gefäßwände stärker beansprucht, was Gefäßverkalkungen begünstigt.

Zu den möglichen Folgen zählen:

  • Herzinfarkt und Herzschwäche
  • Schlaganfall
  • Schäden an Nieren und Augen
  • Durchblutungsstörungen, etwa in den Beinen

Die gute Nachricht: Wird ein erhöhter Blutdruck früh erkannt, lässt er sich in vielen Fällen gut beeinflussen. Genau hier setzt die regelmäßige Kontrolle an.

Risikofaktoren und was Sie selbst tun können

Einige Einflüsse auf den Blutdruck lassen sich nicht ändern. Dazu gehören das Alter und eine familiäre Veranlagung. Viele weitere Faktoren hängen jedoch mit dem Lebensstil zusammen, etwa Übergewicht, Bewegungsmangel, eine salzreiche Ernährung, regelmäßiger Alkoholkonsum, Rauchen und anhaltender Stress. Auch Diabetes und erhöhte Blutfettwerte belasten Herz und Gefäße zusätzlich.

Die aktuelle europäische Leitlinie empfiehlt bereits bei erhöhten Werten, den Lebensstil gezielt anzupassen. Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:

  • Bewegung: Regelmäßige Ausdaueraktivität wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen entlastet das Herz-Kreislauf-System.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Kost mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, wie sie die mediterrane Küche kennt, wirkt sich günstig aus.
  • Salz: Weniger Salz beim Kochen und ein zurückhaltender Umgang mit Fertigprodukten, Wurst und Käse können den Blutdruck spürbar senken.
  • Gewicht: Schon eine moderate Gewichtsabnahme kann die Werte verbessern.
  • Alkohol und Nikotin: Alkohol sollte nur in geringen Mengen getrunken werden. Der Verzicht auf das Rauchen schützt die Gefäße.
  • Entspannung und Schlaf: Ausreichend Erholung und ein bewusster Umgang mit Stress unterstützen einen ausgeglichenen Blutdruck.

Veränderungen müssen nicht auf einmal erfolgen. Oft bewirken bereits kleine, dauerhaft umgesetzte Schritte eine messbare Verbesserung.

Blutdruck zu Hause richtig messen

Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf und steigt zum Beispiel bei Aufregung oder körperlicher Anstrengung an. Eine einzelne Messung ist daher nur eine Momentaufnahme. Aussagekräftiger sind regelmäßige Messungen unter gleichen Bedingungen. Sie helfen auch dabei, Abweichungen zu erkennen, die in der Arztpraxis auftreten können: Manche Menschen haben dort aus Nervosität höhere Werte als im Alltag, bei anderen ist es umgekehrt.

Damit Ihre Werte zuverlässig sind, sollten Sie Folgendes beachten:

  1. Messen Sie morgens und abends, möglichst immer zur gleichen Uhrzeit.
  2. Verzichten Sie vor der Messung auf Kaffee und Zigaretten und gehen Sie vorher zur Toilette.
  3. Setzen Sie sich aufrecht und angelehnt hin, stellen Sie beide Füße nebeneinander auf den Boden und ruhen Sie sich etwa fünf Minuten aus.
  4. Die Manschette muss sich auf Herzhöhe befinden. Bei Handgelenkgeräten stützen Sie den Unterarm am besten mit einem Kissen ab.
  5. Sprechen und bewegen Sie sich während der Messung nicht.
  6. Messen Sie zweimal im Abstand von mindestens einer Minute.
  7. Nutzen Sie immer denselben Arm.
  8. Notieren Sie die Werte mit Datum und Uhrzeit, zum Beispiel in einem Blutdruckpass.

Wenn Sie blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, messen Sie morgens vor der Einnahme. Ihre Aufzeichnungen sind für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt eine wertvolle Grundlage, um die Behandlung zu beurteilen.

So unterstützt Sie PrimaVital

In unseren Apotheken können Sie Ihren Blutdruck unkompliziert messen lassen. Das Angebot ist kostenfrei und ohne Termin möglich. Die Messung dauert nur wenige Minuten und gibt Ihnen einen ersten Anhaltspunkt, ob Ihre Werte im unauffälligen Bereich liegen. Gerne besprechen wir das Ergebnis direkt mit Ihnen und ordnen es ein.

Wenn Sie Ihren Blutdruck regelmäßig selbst kontrollieren möchten, beraten wir Sie bei der Auswahl eines passenden Messgeräts. Dabei spielen mehrere Punkte eine Rolle:

  • Oberarm oder Handgelenk: Oberarmgeräte gelten als besonders zuverlässig. Handgelenkgeräte sind handlich, erfordern aber eine sorgfältige Haltung auf Herzhöhe.
  • Passende Manschette: Eine zu kleine oder zu große Manschette verfälscht das Ergebnis. Wir messen Ihren Armumfang und helfen bei der richtigen Wahl.
  • Geprüfte Genauigkeit: Ein Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga zeigt an, dass ein Gerät unabhängig auf seine Messgenauigkeit getestet wurde.
  • Bedienung: Große Anzeigen, ein Speicher für mehrere Messungen oder eine Übertragung an das Smartphone können den Alltag erleichtern.

Nach dem Kauf erklären wir Ihnen gerne, wie Sie Ihr Gerät richtig anlegen und bedienen. Darüber hinaus beantworten wir Ihre Fragen zu Ihren Medikamenten, etwa zum richtigen Einnahmezeitpunkt oder zu möglichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.

Wenn Ihnen bereits blutdrucksenkende Medikamente verordnet wurden, können Sie bei uns außerdem die pharmazeutische Dienstleistung „Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck“ in Anspruch nehmen. Dabei messen wir Ihren Blutdruck nach einem festgelegten Verfahren und prüfen, ob Ihre Werte im angestrebten Bereich liegen. Liegen sie darüber, empfehlen wir Ihnen, die Ergebnisse mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen. Auch diese Leistung ist für Sie kostenfrei und ohne Termin möglich.

Wann ärztlicher Rat wichtig ist

Ein einzelner erhöhter Wert ist noch kein Grund zur Sorge. Liegen Ihre selbst gemessenen Werte jedoch wiederholt bei 135/85 mmHg oder darüber, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen. Nur eine Ärztin oder ein Arzt kann eine Diagnose stellen, weitere Untersuchungen veranlassen und über eine Behandlung entscheiden.

Bestimmte Beschwerden erfordern dagegen sofortiges Handeln. Rufen Sie umgehend den Notruf 112, wenn Anzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls auftreten:

  • starke Schmerzen oder ein Engegefühl in der Brust, die in Arme, Rücken, Hals oder Oberbauch ausstrahlen können
  • plötzliche Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit oder Schwindel
  • plötzliche Lähmungen oder Taubheitsgefühle, oft auf einer Körperseite
  • Sprach- oder Sehstörungen sowie sehr starke Kopfschmerzen

Bei Frauen und älteren Menschen äußert sich ein Herzinfarkt nicht selten mit weniger typischen Beschwerden wie Übelkeit, Rückenschmerzen oder Abgeschlagenheit. Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu oft den Notruf wählen als einmal zu wenig.

Welt-Herz-Tag(1)

Fazit

Der Welt-Herz-Tag am 29. September ist ein guter Anlass, die eigene Herzgesundheit in den Blick zu nehmen. Ein erhöhter Blutdruck bleibt oft lange unbemerkt, lässt sich aber durch regelmäßiges Messen früh erkennen. Mit einem bewussten Lebensstil und, falls nötig, ärztlicher Behandlung können Sie viel für Herz und Gefäße tun.

Kommen Sie gerne zu uns in die Apotheke: Wir messen Ihren Blutdruck kostenfrei und ohne Termin, beraten Sie bei der Wahl eines geeigneten Messgeräts und nehmen uns Zeit für Ihre Fragen.